6.1.2010
Take it easy
TELE: Geniessen statt rasen: Der neue Trend im Schnee- sport heisst Entschleunigung. Das macht die Skifahrt nicht nur sicherer, sondern auch viel intensiver.
“Auf Skipisten ist es heute normal, sich in James-Bond-Manier den Berg runterzustürzen. Oft ohne Rücksicht auf Verluste. Kaum oben angekommen, wird der Hang mit einem flüchtigen Blick gewürdigt, und schon stürzt man sich mit Karacho ins Tal. Mit dem Resultat, dass sich viele Wintersportler nur noch mit Helm und Rückenschonern auf die Piste wagen. Andere lassen ihre Skis gleich im Keller verstauben.
Die brandneue Suva-Kampagne zeichnet ein ähnliches Bild: Ein wildschwein- ähnliches Monster versetzt die Skifahrer in Angst und Schrecken. Das hilft nicht gerade, das arg angekratzte Image des Wintersports aufzupolieren. Genauso wenig wie die Kampagne der Beratungs- stelle für Unfallverhütung (bfu) mit dem Helikopter-Corps, das hektisch in Ski- gebiete ausschwärmt.
Auch hier werden Ängste geschürt, die Unfallgefahr wird unnötig betont. Die Gründe für die nach wie vor beunruhigend hohen Unfallzahlen: Einerseits ist die Technologie der Carving-Skis mittler- weile so weit fortgeschritten, dass viele Skifahrer ihre Rennlatten nicht mehr beherrschen; andrerseits sind die Pisten so plattgewalzt wie Profistrecken.
Wie kann dieser Negativ-Trend gestoppt werden?
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Auch die Chillout-riding-Philosophie will die Wintersportler zum Umdenken bewegen: Mit dem Motto «Relax, enjoy nature, have fun» will sie die Freude am Ski- und Snowboardfahren sowie an der Natur wieder in den Mittelpunkt stellen. Dabei geht es nicht unbedingt darum, langsamer den Berg hinunterzufahren, sondern bewusster, rücksichtsvoller und somit sicherer. Sogar schnelle Turns und Speeds mit Adrenalinkicks haben beim Chillout-Riden nach wie vor Platz.
Bloss ein nette Idee einiger Marketingstrategen? Eben nicht, wie sich TELE von Patrik Wiederkehr, Skischulchef Suvretta Snowsports in St.Moritz, im Corviglia- Skigebiet demonstrieren lässt. Wiederkehr ist einer der Ersten, die Chillout-Riding-Lektionen anbieten.
«Am Anfang jeder Lektion steht das bewusste Wahrnehmen des Körpers», erklärt der Skischulchef. «Wie fühle ich mich heute? Bin ich gestresst? Ist mir eher nach gemächlichen oder rasanten Abfahrten?» Diese Fragen sollen dem Wintersportler helfen, seine momentane Verfassung einzuschätzen.
Als Nächstes wird die Blicktechnik verfeinert – ein wichtiger Punkt, um die Pisten exakt erfassen zu können und damit Unfälle zu vermeiden. Wo verengt sich die Piste? Wo befinden sich schwierige Passagen? Wo gibt es Hügel oder Unebenheiten, die man spielerisch in seinen Kurs einbauen könnte?
Weiter geht’s mit spielerischen Übungen: zum Beispiel abwechselnd leises und lautes Fahren oder auf den Fersen und Zehenspitzen in eine Kurve liegen. Das ist zuerst etwas gewöhnungs- bedürftig, doch dann macht es unheimlich Spass – und sogar süchtig. Bald fährt man nur noch so den Berg runter.
Nach drei Skilektion ist klar, ChilloutRiding ist nichts anderes als das kreative Nutzen der Skis und der Piste. Wiederkehr: «Der Hang wird automatisch zum Spielplatz – egal wie viele Leute sich gerade darauf befinden. ChilloutRider finden immer einen perfekten Slot.»
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